GESCHLECHTSNEUTRALE FORMULIERUNGEN.

AUF WAS SIE JETZT ACHTEN SOLLTEN
Auch in diesem Jahr werden Sie gewiss einige Stellen ausschreiben und geeignete Bewerber (m/w/x) aus Ihrer Region suchen – dabei unterstützt Joblocal Sie natürlich gern! Für einen guten Start zu Jahresbeginn möchten wir Ihnen ein paar Tipps zu einem Thema mitgeben, das seit geraumer Zeit diskutiert und nun auch gesetzlich verankert wurde: das dritte Geschlecht.

Das dritte Geschlecht – Männlich, weiblich, divers oder intersexuell
Bereits im Oktober 2017 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es neben dem männlichen und weiblichen, noch ein drittes Geschlecht gibt. Dieses Urteil hat Folgen für die Ausschreibung von Stellen in der arbeitsrechtlichen Praxis.
Der Geschlechterbegriff des Allgemeines Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ist unionsrechtlich determiniert. Demnach kommt es auf den europarechtlichen Geschlechterbegriff an: Für diesen spielt die “Richtlinie zur Verwirklichung des Grundsatzes der Chancengleichheit und Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Arbeits- und Beschäftigungsfragen” von 2016 eine tragende Rolle. Jedoch kennt diese Richtlinie noch kein drittes Geschlecht. Die Krux: damit steht der Geschlechterbegriff der besagten Richtlinie in Widerspruch mit dem deutschen Verfassungsrecht. Die o.g. Erwägungen des Bundesverfassungsgerichts aus 2017 gelten jedoch nicht nur verfassungsrechtlich, sondern ebenso in Richtung des AGG.
Auf genauere rechtliche Ausführungen verzichten wir an dieser Stelle, wichtiger sind die Folgen, die sich für Sie daraus ergeben können. Was die Richtlinie für Ihre Stellenausschreibungen bedeutet Stellenausschreibungen müssen, im Hinblick auf das AGG, geschlechtsneutral formuliert werden. Es reicht bereits, wenn eine (abgelehnte) BewerberIn vermutet bzw. sogenannte Vermutungstatsachen vorträgt, aus denen sich eine eventuelle Benachteiligung wegen des Geschlechts ergeben könnte. Durch die im AGG verankerte Beweislastumkehr müssten Sie als Arbeitgeber diese Vermutungstatsachen dann entkräften.

Das dritte Geschlecht in der Praxis angewandt
Um etwaigen Beschwerden bezüglich der nicht korrekt angewandten Geschlechtsbezeichnung in Ihrem Berufsalltag vorzubeugen, sollten Sie Ihre Stellen deshalb so ausschreiben, dass eine Vermutung der Benachteiligung wegen des Geschlechts gar nicht erst entstehen kann.
Und so geht’s:
Schreiben Sie die Tätigkeitsbeschreibung geschlechtsneutral aus.
Eine Ausschreibung, die explizit nur “männlich” oder “weiblich” erwähnt, schließt das dritte Geschlecht aus. Eine eventuelle Benachteiligung wegen des (dritten) Geschlechts liegt dann nahe.
Tipp: Anstatt von “Wir suchen einen Sales-Mitarbeiter ” empfiehlt sich hier beispielsweise die Formulierung “Wir suchen Verstärkung für unser Sales-Team” o.ä..

Formulieren Sie die Stellenanzeige geschlechtsunabhängig.
Ob z.B. der Begriff “Verkäufer” noch geschlechtsneutral ist oder aber nicht, vermag niemand mit ausreichender Sicherheit zu sagen. Deshalb empfiehlt es sich, einen geschlechtsneutralen Zusatz zu verwenden. Der Zusatz (m/w) indiziert eine Benachteiligung wegen des Geschlechts.
Tipp: Verwenden Sie lieber (m/w/d), (m/w/x) oder (m/w/i/t), um alle Geschlechter mit einzubeziehen. Wenn Sie keine Abkürzungen verwenden möchten, bieten sich Zusätze wie “männlich, weiblich, diverse” oder auch “geschlechtsneutral (gn)” an.
Und keine Angst: trotz der bereits erwähnten Beweislastumkehr im AGG gilt, dass ein eventuell Benachteiligter Bewerber (m/w/d) im arbeitsrechtlichen Verfahren seine Zugehörigkeit zum dritten Geschlecht darlegen, bzw. beweisen muss – Trittbrettfahrern ist somit Einhalt geboten.
Wenn Sie die geschlechtsneutrale oder eine alle Geschlechter einbeziehende Ansprache in Ihren Stellenausschreibungen nutzen, sind Sie – was die rechtlichen Komponente angeht – stets auf der sicheren Seite.

Ein Blick in die Zukunft
Die Entwicklung der Rechtsprechung zu diesem Thema sollten Sie im Auge behalten. Dieser Blogpost stellt nur eine unverbindliche Empfehlung dar, die die aktuelle Thematik des dritten Geschlechts im Hinblick auf die Stellenausschreibungen aufgreift.


Für Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Gern beraten wir Sie auch bezüglich der optimalen Gestaltung Ihrer Stellenanzeigen!

Wir wünschen Happy Recruiting!