Persönlichkeit und "Social Distancing"​ – wie unterschiedliche Typen damit umgehen | joblocal GmbH
 
 
DISG-Persönlichkeitsmodell Visualisierung

PERSÖNLICHKEIT UND "SOCIAL DISTANCING"


WIE UNTERSCHIEDLICHE TYPEN DAMIT UMGEHEN

Lesen Sie hier den Artikel unserer Kollegin Sina Beck,
Head of People & Culture bei der Joblocal GmbH.
Es ist Anfang April 2020. Die “goldenen 20er” wie sie noch von vielen in Neujahrsansprachen oder Instagram Posts angepriesen wurden, hatten wir uns sicher alle anders vorgestellt. Wir befinden uns inmitten einer globalen Pandemie, die sich leider nicht als April-Scherz entpuppen wird. Die wirtschaftlichen Folgen vermag noch keiner abzuschätzen. Von den psychosozialen ganz zu schweigen.

Wie geht der Mensch mit dem neuen Begriff “social distancing” um? Welche Auswirkungen hat das auch psychisch für uns? Und endet diese Distanzierung vielleicht im eigentlichen Wortsinn, nämlich der sozialen Distanzierung? Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man heute die Straßen entlang geht und die Menschen nicht nur den pandemisch-korrekten, räumlichen Mindestabstand zueinander einhalten, sondern die soziale Distanzierung scheinbar so ernst nehmen, dass auch keiner mehr zu einem Lächeln oder einem Kopfnicken als Gruß bereit ist. Es scheint fast so, als distanzieren wir uns vor uns selbst, als einer Art fremder Spezies, die uns gefährlich werden könnte.
Bedeutet "social distancing", damit in der Konsequenz den ausschließlichen Fokus auf mich, weg von der Gemeinschaft, hin zu meinem eigenen Wohl?

Was macht es mit uns, im goldenen Käfig zu sitzen?

Was macht es mit uns, gewohnten Freizeitbeschäftigungen nicht mehr nachgehen zu können? Dem anerzogenen Konsumwahn nicht mehr frönen zu können? Freunden und Familie nicht nah sein zu können? Sich mit uns selbst auseinandersetzen zu müssen?
Im Vergleich zu vielen anderen Bevölkerungsgruppen ist es ja tatsächlich häufig der goldene Käfig, wo es einem offensichtlich an Nichts fehlen sollte.
Bei all der Stille und Entschleunigung und dem Abhandenkommen der Zerstreuung, kehrt häufig eine nicht gekannte Lautstärke ein, die von Innen kommt. Der Kurzweiligkeit weicht Langeweile. Der Ablenkung weicht Einkehr, Rückbesinnung – im Idealfall.
Bei all diesen Umständen, die uns alle betreffen, gibt es doch Unterschiede im Umgang mit dieser Situation. Und wie so oft sind diese Unterschiede in unserer Persönlichkeit begründet. In dem, was uns charakterisiert, was uns ausmacht, unseren Antrieb und unsere Motive bestimmt. In dem, was uns von anderen unterscheidet, was uns hemmt, inspiriert oder abschreckt.

In diesen sowieso schon komplexen Zeiten bediene ich mich für die folgende Ausführung einem recht "simplen" Persönlichkeitsmodell – dem DISG-Modell – um grundlegende Unterschiede im Umgang mit der aktuellen Krise herauszuarbeiten.

Die Chancen der Situation nutzen

Gleichermaßen bietet der unterschiedliche Umgang mit der Situation uns auch Chancen, wenn wir bereit sind, unsere Mitmenschen zu verstehen und so anzunehmen, wie sie sind.
Denn darin besteht die große Chance dieser Tage, sich bewusst miteinander zu beschäftigen (wenn auch nicht face to face) und durch Empathie und Mitgefühl den anderen wirklich zu fühlen und seine Bedürfnisse so besser verstehen und akzeptieren zu können. Und vielleicht begreifen wir auch dann, dass hinter Hamsterkäufen Ängste stecken können, dass hinter dem Wegschauen eine Furcht liegt und dass wir eine Chance haben zusammen zu wachsen – wenn wir das “Auf-uns-besinnen” dazu nutzen, uns selbst besser kennen zu lernen und unseren Mitmenschen authentisch und auf Augenhöhe zu begegnen.

Und bevor wir einsteigen ist mir noch eines wichtig: Dieses Persönlichkeitsmodell ist stark vereinfacht und spiegelt in keiner Weise den Facettenreichtum eines Menschen wieder. Es dient einer Annäherung und dazu, sich selbst und andere besser zu verstehen – im Groben.
Jeder trägt immer alle Anteile von Persönlichkeitsmerkmalen in sich. In unterschiedlichen Ausprägungen. Unsere Umwelt hat ebenfalls immer einen Einfluss auf unser Verhalten, welches daher nur bedingt Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zulässt. Dennoch bietet das Modell uns Anhaltspunkte, die uns im Umgang mit Familie, Freunden und Kollegen helfen können, um besser auf die anderen und deren Bedürfnisse eingehen zu können. Wenn ich im Folgenden von XY-Typen spreche, dann dient dies ebenfalls nur der Vereinfachung, soll aber in keinster Weise eine Schublade darstellen.

Der D-Typ

Beginnen wir mit den Typen, die eine Starke Ausprägung und Präferenz auf dem D (= dominant, direkt, bestimmt) haben.

Wie reagiert ein D-Typ auf Home Office?

D-Typen beanspruchen viel persönlichen Freiraum für sich. Sie arbeiten gerne unabhängig und selbstständig und haben daher grundsätzlich auch kein Problem mit Home Office, da es ihnen das ein Gefühl von noch mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit vermittelt. Allerdings können Führungspersönlichkeiten mit einer hohen D-Ausprägung auch leicht in die Situation geraten, dass es sie frustriert, da ihr Team ihnen scheinbar aus der Kontrolle gerät und man keinen Überblick über deren Effizienz und Effektivität hat. Eine guter Test für den D-Typen, sich in Geduld zu üben.
D-Typen möchten grundsätzlich vorankommen, Ergebnisse sehen und etwas bewegen und brauchen dafür auch manchmal die Bühne. Erfolge feiern sich für diese Typen nur schlecht alleine, ist es doch viel schöner Anerkennung von allen Seiten zu bekommen.

Was kann ein D-Typ tun, um mit der Isolation gut umzugehen?

  • sich sportlich und aktiv betätigen. D-Typen haben ein hohes Energieniveau und teilweise eine Rastlosigkeit, welche sie dadurch gut ausgleichen können
  • sich persönliche Ziele setzen und auf diese hinarbeiten
  • sich mit Lese- oder Audioinhalten zu "Leadership" oder "Erfolgs-Themen" beschäftigen
  • sich virtuell mit Freunden oder Kollegen in Wettbewerbssituationen herausfordern. Diese können spielerischer Natur sein (Quiz-Duell oder Ähnliches) oder man kann sich für sportliche “Erfolge” auf Strava feiern lassen - das reduziert die innere Spannung

Was ist bei der Remote-Zusammenarbeit mit einem D-Typen wichtig?

  • auf den Punkt kommen und das richtige Medium wählen. Braucht es eine Video Konferenz oder kann man Themen auch schnell im Chat klären?
  • den D-Typen regelmäßig zu Status und Fortschritt pro aktiv auf dem Laufenden halten
  • ihm das Gefühl vermitteln, man arbeitet ebenso engagiert an den gemeinsamen Zielen
  • ihn öffentlich für Erfolge anerkennen

Der I-Typ

Weiter gehts mit dem I-Typen (= initiativ, optimistisch und aufgeschlossen)

Wie reagiert ein I-Typ auf Home Office?

Für den I-Typen kann soziale Isolation sehr schwer sein, da der Austausch und Kontakt mit anderen normalerweise eine Quelle der Inspiration und Zufriedenheit für ihn darstellt. I-Typen fühlen sich vermutlich schnell energielos und nicht mehr verbunden. Darin besteht jedoch auch die Chance für den I-Typen sich zu besinnen und etwas von der üblichen Geschwindigkeit herunterzukommen.
Des Weiteren liegt eine große Chance darin, dass der I-Typ seine Begeisterungsfähigkeit auf die Themen beschränken kann, an denen er bereits arbeitet, da weniger Impulse von außen anregen. Das erhöht die Chance, die vielen Ideen und Projekte auch tatsächlich auf die Straße zu bringen und umzusetzen.

Was kann ein I-Typ tun, um mit der Isolation gut umzugehen?

  • regelmäßige Videokonferenzen mit Freunden und Arbeitskollegen
  • Nutzung von Brainstorming-Tools zur gemeinsamen Ideenfindung
  • einen digitalen Buch- oder Filmclub initiieren und mit anderen über die Bücher und Filme diskutieren
  • die Kreativität durch eine Kunstform zum Ausdruck bringen: Malen, Musizieren, Schreiben, etc.
  • Inspirierende Podcast hören oder Bücher über spannende Zukunfts-Szenarien lesen

Was ist bei der Remote-Zusammenarbeit mit einem I-Typen wichtig?

  • häufiger Austausch und gerne auch per Video oder Sprachnachricht, desto persönlicher der Kontakt, desto besser
  • ihnen Raum geben, ihre Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen
  • auch “privaten Themen” oder "off-topics" Raum geben
  • über zukunftsorientierte Themen sprechen, zukünftige Projekte oder Pläne, die inspirierend sind, diskutieren
  • die Möglichkeit in Gruppen zu arbeiten und gemeinsam etwas zu bewegen

Der S-Typ

Der S-Typ (= stetig, einfühlsam, kooperativ).

Wie reagiert ein S-Typ auf Home Office?

Ein S-Typ hat vermutlich gemischte Gefühle. Einerseits kommt ihm die vertraute Umgebung in den eigenen 4-Wänden entgegen, das gibt ihm Sicherheit. Allerdings könnte ihm Sorgen bereiten, dass er Menschen die ihm wichtig sind, nicht sehen kann, das wiederum könnte ein Gefühl der Instabilität vermitteln.
Die Chance liegt für den S-Typen darin, dass er sich darin üben kann, unabhängiger von sozialen Bindungen zu sein und sich wohler zu fühlen, wenn er sich ganz alleine strukturiert.

Was kann ein S-Typ tun um mit der Isolation gut umzugehen?

  • sehr regelmäßig mit engen Vertrauten sprechen
  • es sich zuhause gemütlich machen und Zerstreuung in guter Literatur finden
  • Tagebuch über die eigenen Gefühle und Empfindungen schreiben
  • Routinen entwickeln die Energie geben, den Tag strukturieren und Sicherheit vermitteln

Was ist bei der Remote-Zusammenarbeit mit einem S-Typen wichtig?

  • durch die Distanz geht ein Teil der so wichtigen Sicherheit und Stabilität für den S-Typen verloren, regelmäßige Kontakte wirken dagegen
  • ihm den Raum geben über Bedenken und Ängste zu sprechen und diese dann aber auch lösungsorientiert zu besprechen
  • ein Gefühl von “Du bist nicht allein” zu vermitteln, wir sitzen alle im selben Boot und keiner hat gerade den Masterplan
  • sie nach ihrem persönlichen Befinden fragen, echtes Interesse zeigen

Der G-Typ

Und zu guter Letzt der G-Typ (= gewissenhaft, bedacht und korrekt)

Wie reagiert ein G-Typ auf Home Office?

Für diesen Typen ist es vielleicht ein Zustand, auf den er schon immer gewartet hat. Sie mögen es in Ruhe für sich zu arbeiten, ohne Störung und Beeinflussung von anderen. Auch die soziale Ablenkung eines Büros, werden diese Typen am wenigsten vermissen.
Der G-Typ kann viel Selbstsicherheit aus der Situation ziehen.

Was kann ein G-Typ tun, um mit der Isolation gut umzugehen?

  • sich noch tiefer in ein Herzens-Thema “reinfräsen” und wirklich zum Experten werden
  • sich herausfordernden Freizeitbeschäftigungen widmen, wie Schach, Soduko, wissenschaftliche Artikel, die eine hohe Konzentration und Auffassungsgabe erfordern
  • Online Kurse besuchen, um Fähigkeiten zu vertiefen und zu festigen
  • sich auch wieder auf die Zeit danach vorbereiten

Was ist bei der Remote-Zusammenarbeit mit einem G-Typen wichtig?

  • viel Freiraum zum “Ausarbeiten” geben
  • Videokonferenzen wenn möglich vermeiden oder auf die rein sachlichen Inhalte beschränken (dann idealerweise gestützt durch Folien oder vorab übersandte Unterlagen)
  • ihn um Hilfe fragen, wenn es um komplexe Probleme geht
  • seine Expertise schätzen
  • ihm viele Details übermitteln, wenn er eine neue Aufgabe übernehmen soll (am besten schriftlich)
 
 
Wer hat sich oder jemanden aus dem eigenen Umfeld wieder gefunden? Wenn wir ein paar wenige Dinge beherzigen, kommen wir gemeinsam gut durch diese Zeit und nach "Social Distancing" kommt DIE Chance für soziale Annäherung.

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